Baumschul-PV – was ist das denn jetzt schon wieder ?!?

Seit den letzten Jahren intensiviert sich weltweit die praxisnahe Erforschung von Agri-PV-Systemen. Federführend in Deutschland ist hierbei das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg i.B. Bei „Agri-PV“ handelt es sich um die doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen, indem Photovoltaik-Module bodennah, hoch aufgeständert (Unterkante > 2 m über Boden) oder als Gewächshaus installiert werden, damit das Sonnenlicht sowohl zur pflanzlichen/tierischen Produktion wie auch zur Stromerzeugung genutzt wird. Eine entsprechende Norm hat Deutschland bereits formuliert: DIN SPEC 91434. Während 100% Landwirtschaft und 100% PV-Nutzung für sich genommen auf einer Fläche jeweils zwar ertragreicher sind, bietet eine Doppelnutzung den gesamtgesellschaftlichen Vorteil einer Landnutzungseffizienz von um die 130%. Zudem hat eine lückige PV-Überdachung gewisse Vorteile, wie etwa die Minderung von Trockenstress und Winderosion, Habitatstrukturierung oder auch Hagelschutz.

Mittlerweile versuchen sich die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts offenbar auch an der Konzipierung eines abgewandelten Systems für Baumschulen. Hierfür würden sich nach Einschätzung der Reforestis UG hoch aufgeständerte PV-Module ähnlich den Obstbau-Konzepten (siehe z.B. https://www.ise.fraunhofer.de/de/forschungsprojekte/apv-obstbau.html) anbieten. Damit könnte u.a. der Wasserbedarf von Baumschulen verringert und eine zusätzliche Einkommensquelle durch Stromvermarktung geschaffen werden. Es sollte jedoch zunächst durch Versuchsreihen getestet werden, welche Risiken an welchen Standorten für welche Baumarten, Stadien und Arrangements in einer Baumschule bestehen, da eine Änderung des Mikroklimas auch Nachteile birgt. So deutete etwa Herr Zimmer (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz) auf dem Agri Photovoltaik Forum Sachsen 2023 in Dresden-Pillnitz eine tendenzielle Erhöhung des Apfelwickler-Befalls aus den ersten Ergebnissen der Versuchsanlage mit Apfelbaumkulturen an. Im Falle von Baumschulen wäre durch die verringerte Luftzirkulation durch einen PV-Überbau bei hohen Pflanzenzahlen auf engem Raum beispielsweise ein Problem mit pilzlichen Schaderregern vorstellbar.

Im Jahrzehnt der Paradigmenwechsel – und hoffentlich auch wieder mehr Innovationen aus Deutschland – sollte diese Chance der Effizienzsteigerung unserer Baumschulen jedenfalls nicht ungenutzt bleiben. Wir werden die Entwicklung für Sie weiterhin beobachten und bei Gelegenheit gerne auch mitgestalten.

Viele Grüße,
Ihr Reforestis-Team

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